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Interview mit unserem Schiedsrichter Christoph Bornhorst

25. November 2009

Christoph Bornhorst ist seit diesem Jahr offiziell Schiedsrichter im OSV.
Er ist hauptsächlich als Schiedsrichter-Assistent unterwegs und dass in ganz Europa.
Diese Saison hatte er schon einige Einsätze in der 1. und 2. Bundesliga und assistierte im DFB-Pokal und in der Europa League Qualifikation.

1. Hallo Christoph, wir freuen uns dich im Osterfeiner Sportverein willkommen zu heißen. Welche Ziele hast du dir für die kommenden Jahre vorgenommen?

Zunächst mal freue ich mich auch, nun Mitglied bei SWO geworden zu sein. Da ich hier heimisch geworden bin und mein Sohn Jannik nun auch mit Begeisterung dem „runden Leder nachjagt“, war es an der Zeit, den Verein zu wechseln. Als Ziel gilt für mich grundsätzlich, meine Leistung zu optimieren und das Niveau so zu halten, dass ich weiterhin für Spiele der Bundesliga und auf internationaler Ebene berücksichtigt werden kann. Mit Zielen wie der Teilnahme an großen Turnieren oder gar einer WM kann ich nicht dienen. Da muss man immer wissen, dass es andere gibt, die genauso gut oder eben auch besser sind.

2. Wie hast du es geschafft so weit zu kommen?

Mit Geduld und „langem Atem“. Ich hatte nie das Ziel „Bundesliga“, sondern habe versucht, meine Leistung so gut wie möglich zu bringen. Ziele muss man sich realistisch setzen und einen Schritt nach dem anderen machen. Mein Freund Andreas Robke ist dafür ebenfalls ein gutes Beispiel. Für ihn freut es mich ganz besonders, eben mit dieser Geduld und natürlich guter Leistung so weit gekommen zu sein. Daneben braucht man auch das nötige Quäntchen Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Fürsprecher und Unterstützer auf Funktionärsebene sind ebenfalls elementar wichtig, gerade dann, wenn es mal nicht so gut läuft.

3. Wie bereitest du dich auf die Spiele vor bzw. wie geht man mit dem Druck um?

Körperliche Fitness ist das Rüstzeug, so dass regelmäßiges Training selbstverständlich ist. Dazu kommt vor den Spielen die mentale Vorbereitung, indem Spielabläufe immer wieder gedanklich aufgearbeitet werden und im Schiedsrichter-Team besprochen werden. Da „nach dem Spiel vor dem Spiel ist“, schaue ich mir die Aufzeichnung meiner Spiele stets noch mal auf DVD wieder an, um Dinge optimieren zu können. Den Druck während des Spieles nehme ich so schon gar nicht mehr wahr, da bin ich zu konzentriert. Wenn 50.000 Zuschauer pfeifen, ist das vielleicht sogar noch besser zu ertragen, als wenn Du auf Kreisebene die Nörgler direkt hinter Dir hast und jedes einzelne Wort verstehen kannst.

4. Welches Spiel war bisher dein Highlight?

In der Bundesliga ist jedes Spiel ein Highlight. International habe ich tolle Reisen machen dürfen, z. B. nach Katar, Saudi-Arabien oder Ägypten. Die internationalen Cup-Spiele sind von der Bedeutung her natürlich schon besonders. Das Spiel im UEFA-Cup zwischen Ajax Amsterdam und Olympique Marseille wird mir dabei in besonderer Erinnerung bleiben. Ein Highlight war natürlich auch mein erstes WM-Qualifikationsspiel zwischen Portugal und Albanien.

5.  Welches war deine kurioseste Schiedsrichter-Entscheidung?

Die musste ich vor Jahren mal auf Kreisebene beim Holdorfer McDonalds-Cup treffen. Das Spiel zwischen Cloppenburg und Bersenbrück musste ich abbrechen, da eine wahre Junikäfer-Invasion sich über Spieler und das Schiedsrichtergespann hermachte. Die Spieler und wir waren so damit beschäftigt, diese zwar ungefährlichen aber lästigen Käfer vom Körper zu verscheuchen, dass ein regulärer Spielablauf tatsächlich nicht mehr möglich war. Das waren tausende und die saßen einfach überall! Beide Mannschaftsführer sahen das genauso, so dass das ich Spiel abbrach.

6. Ist es schon einmal vorgekommen, dass eine deiner Entscheidungen durch Mitleid beeinflusst wurde?

Grundsätzlich sollte gar nichts meine Entscheidung beeinflussen, denn ich habe dem Regelwerk Geltung zu verschaffen – nicht mehr und nicht weniger. Natürlich agieren als Unparteiischer aber immer Menschen mit allen Schwächen und Fehlern. Mitleid allerdings hat meine Entscheidungen noch nie auch nur im Ansatz beeinflusst.

7. Kannst du von dir aus sagen, dass die Zahl der so genannten Schwalben zugenommen hat?

Das Spiel und das Spielerverhalten haben sich grundsätzlich verändert. Die Spielführung ist schneller geworden. In den oberen Klassen – die immer Vorbild für die unteren Ebenen sind – geht es verstärkt um Geld und auch um Arbeitsplätze. Für den Erfolg wird dadurch viel und eben manchmal auch zu viel in Form von Unsportlichkeiten getan. „Schwalben“ oder auch dieser völlig unverhältnismäßige Einsatz des Ellenbogens – das hat es zu Zeiten eines Paul Breitner, Günter Netzer oder Horst Hrubesch in dem Ausmaße doch gar nicht gegeben. Gerade letzterer hat sich in keinem Zweikampf geschont. Aber hat der jemals seinem Gegner den Ellenbogen ins Gesicht gerammt? Unser Schiedsrichter-Obmann Volker Roth äußert zurecht immer wieder sein Unverständnis über dieses Spielerverhalten, gerade wo heute doch wirklich jede Aktion auch hinter dem Rücken des Schiedsrichters von Kameras verfolgt wird.

8. Im „Doppelpass“ sind die Entscheidungen der Schiedsrichter immer ein großes Thema. Kann man die Aussage treffen, dass es noch nie so viele Fehlentscheidungen gab, wie in dieser Saison

Die Aussage kann man so gar nicht treffen – ganz im Gegenteil: Beim letzten runden Tisch zwischen der DFL und dem Schiedsrichter-Ausschuss wurden die Leistungen der Unparteiischen von der Liga ausdrücklich gelobt. Auch in den Medien hält man sich gepflegt mit der Schiedsrichter-Schelte zurück, weil die Leistungen wirklich gut sind – es gibt einfach nichts zu berichten. Ich hoffe, das bleibt noch länger so. Wer allerdings legt denn fest, was überhaupt eine Fehlentscheidung ist? Die Experten des „Doppelpass“ sind da sicher nicht immer der entscheidende Maßstab…
 

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