Interview mit dem Bernd Escher (Trainer der 4. Herren)
- Hallo Bernd, zu allererst noch einmal herzlichen Glückwunsch zur Meisterschaft und dem damit verbundenen Aufstieg in die 2. Kreisklasse. Konnte man vor der Saison mit so einem Siegeszug (22 Siege aus 24 Spielen) der 4. Mannschaft rechnen?
Danke. Unser Ziel zum Saisonanfang war es, über Spaß am Fussball, wieder mehr Begeisterung in die Mannschaft zu bekommen und unser Spiel auf spielerischer Ebene zu verbessern. Anfangs wurde klar die Ansage gemacht, von Spiel zu Spiel zu gucken, die Meisterschaft oder auch der Aufstieg waren für uns kein Thema. In der Vorsaison haben wir ja äußerst bescheiden abgeschnitten und mehr Niederlagen als Siege eingespielt, es gab daher keinen Anlass den Aufstieg in Betracht zu ziehen.
- Von diesen 22 Siegen wurden gefühlte 20 mit gerade einmal einem Tor Unterschied eingefahren (Lieblingsergebnis: 1:0 und 3:2). Könnte man sagen, dass ein gutes Pferd nicht höher springt als es muss, oder war es doch das ein oder andere Mal die reinste Zitterpartie?
Das war bemerkenswert, souverän haben wir die Spiele lediglich in der Hinrunde gewinnen können. In der Rückrunde dann diese Serie mit den 1:0 und 3:2 Siegen war schon unheimlich. Da fiel schon des öfteren der Spruch, dass ein gutes Pferd nicht höher springt…, aber eigentlich lag es daran, dass wir in der Rückrunde wenig trainieren konnten und mehr über den Willen kommen mussten. Wir haben es immer wieder geschafft uns dem Gegner anzupassen, vielleicht waren alle anderen auch heiß darauf uns zu schlagen, als Tabellenführer ist man nun mal die gejagte Mannschaft. Aber wir konnten uns, bis auf das Spiel gegen Kroge, erfolgreich wehren, auch wenn wir die letzten zehn Minuten oft gezittert haben (zumindest ich).
- Du hast als Spielertrainer maßgeblich zu diesem tollen Triumph beigetragen. Warst du stets „gesetzt“ oder musstest du das ein oder andere Mal jemand anderen das Spielfeld überlassen?
Ich habe mir bei der ersten Niederlage in der Hinrunde ein dumme rote Karte abgeholt und musste vier Spiele pausieren, die Mannschaft hat in dieser Zeit gut gespielt und vier souveräne Siege eingefahren. Da allerdings im Defensivbereich die Alternativen fehlten und wir Studiums- und Verletzungsbedingt nicht so gut aufgestellt waren, habe ich mich anschließend wieder reinrotiert. Ansonsten hätte ich mich auch des öfteren an die Linie verbannt. Da ich nicht den Eindruck hatte, dass die Mannschaft meinen Ausfall (oder den anderer) nicht kompensieren könne, wäre das auch kein Problem gewesen.
- Welche Faktoren waren dafür entscheidend, dass der Meistertitel in dieser Serie so souverän eingefahren wurde?
Wir haben einen hohen Altersdurchschnitt in der Mannschaft, alle spielen schon mindestens drei Jahre in der Vierten, viele sind über dreißig, haben Kinder. Es gab viele „Leader“ die immer wieder gepuscht haben. Nach den ersten zehn Spielen hat dann auch jeder erkannt, dass dieses Jahr etwas möglich ist. In der Rückrunde hat uns das dahingehend geholfen, dass wir nie nervös geworden sind, immer darauf vertraut haben, dass wir unser Tor machen. Man konnte den Willen bei jedem Spieler sehen, genau deswegen waren wir in der Rückrunde auch immer ein Tor „geiler“ als die anderen Teams.
- Legst du großen Wert auf Disziplin oder herrschte die Saison über eher ein freundschaftlicher Umgang miteinander?
Ich habe zwar ein sehr resolutes Auftreten, aber ich denke von Disziplin sollte man in meinem Fall nicht reden. Jeder der mich kennt, würde dann wahrscheinlich lachen. Vor der Saison wurde meinerseits ganz klar angesagt, dass alle Spieler alt genug sind, um viele Dinge selbst zu entscheiden. Aber klar ist auch, dass Mannschaftssport am meisten Spaß macht, wenn man Erfolg hat und das dieser nicht von alleine kommt. In dieser Saison hatte ich damit wenig Schwierigkeiten und ich hoffe das bleibt auch in Zukunft so.
- In der kommenden Serie wird der OSV 3 Herrenmannschaften ins Rennen schicken. Du wirst den Posten des Trainers in der 3. Herren übernehmen. Welche Ziele hast du dir für die nächste Saison gesteckt?
Ich möchte eine funktionierende, gut organisierte 3. Herrenmannschaft aufbauen. Da die neue Dritte (Osterfeine 3.5) im Endeffekt aus zwei Mannschaften zusammengebracht wird, müssen sich erst mal gewisse Strukturen bilden. Mir ist wichtig, dass viele Spieler eng an die Mannschaft gebunden werden, Verantwortung übernehmen und damit mittelfristig zu neuen Führungsspielern werden. Und mit dem Abstieg(-skampf) möchte ich natürlich nichts zu tun haben.
- Die Personaldecke wird aufgrund des Wegfalls der 4. Herren um einiges komfortabler sein. Wie beurteilst du diese neue Situation?
Für mich als Trainer ist das natürlich hervorragend, jeder Spieler kann somit nur das Fordern, was er vorher selber auch gebracht hat. Aufgrund der angespannten Personalsituation in diesem Jahr, in der 3. Herren aber auch in der 4. Herren, hat es diese Konkurrenzsituation im geringen Maße bzw. gar nicht gegeben. Ich hoffe daher, dass sich die Spieler reinhängen und vor allem durchgängig zur Stange halten, dann werden sich sportliche und persönliche Erfolge auch einstellen. Wenn das ganze noch in einem harmonischen Mannschaftsgefüge geschieht, haben wir eine Menge erreicht.
- Müssen sich die Spieler auf grundlegende Veränderungen einstellen?
Vorneweg: Ich bin Fußballer, kein Leichtathlet, und bin daher der Meinung, dass wenn einer im Moor seine 10 Kilometer laufen möchte, er das gerne machen kann, davon wird sein Passspiel und seine Technik aber um keinen Deut besser. DAS wird sich definitiv nicht ändern. Spielerische Aspekte werden daher immer der Schwerpunkt sein.Aber klar ist, dass mit dieser Mannschaftsstärke ein größeres Augenmerk auf den Einsatz, die Verlässlichkeit und letztlich das sportliche Können gelegt wird. Jeder wird seine Chance bekommen um zu zeigen das er kann und will, aber die einzelnen Spieler und somit die gesamte Mannschaft sollen sich weiterentwickeln.
Dabei wird aber nicht vergessen, dass es sich hier um die „unterste“ Herrenmannschaft handelt.


