Home > Fussball > Interview Erich Otte

Interview Erich Otte

26. März 2010

1. Hallo Erich, wenn dein Name fällt, dann immer in dem Zusammenhang mit dem Begriff „Chef“.
Wie bist du zu diesem Namen gekommen? Diesen Namen habe ich Josef Kohl zu verdanken, der bei seinem Abschied als Trainer mir den Posten mit den Worten „Jetzt bist du der Chef“ übergab.

2. Nach deiner Karriere als Spieler folgte die des Trainers. Wie bist du überhaupt zum Trainerdasein bei SW Osterfeine gekommen?
Fußball war immer mein Ein und Alles und als in der 1. Herren ein Trainer fehlte, bin ich mehr oder weniger hineingerutscht. Daraufhin absolvierte ich einen B-Lizens Lehrgang in Barsinghausen. Dort lernte ich viele interessante Leute  kennen und konnte eine Menge an Erfahrungen mit zurück in die Heimat nehmen. Zusätzlich belegte ich noch einen Massagekurs, worüber sich vor allem meine Spieler freuten, die allesamt vor dem Spiel „durchgeknetet“ wurden.

3. Hast du großen Wert auf Disziplin gelegt? Warst du ein strenger Trainer? Die Situation zu dieser Zeit war die, dass ich mit vielen Spielern zuvor in einer Mannschaft gespielt habe, sodass es mit der Disziplin nicht immer einfach war. Allerdings muss ich sagen, dass alle stets gut mitgezogen haben, sodass ich selten mal lauter werden musste und wenn doch, dann klappte es danach wieder. Ich w ürde mich nicht als strengen Trainer sehen, was auch nicht nötig war, denn die Trainingsbeteiligung war immer bei nahezu 100%. Im Jugendbereich sah es so aus, dass sich die Jungs selbst erzogen haben, indem sie wie selbstverständlich eine Kasse geführt haben, die zum Beispiel durch nicht geputzte Schuhe aufgefüllt wurde.

4. Wo lagen bei dir die Grenzen, die nicht überschritten werden durften?
Grenzen zu setzen war immer sehr schwer, weil ich auf viele Spieler Rücksicht nehmen musste, die zu dieser Zeit beim Bau des Eigenheims eingespannt waren oder die eigene Hochzeit vor der Tür stand, sodass die Trainingsbeteiligung verständlicherweise zuückging. Letztlich haben diejenigen , die nicht mehr so oft zum Training kommen konnten zur Überbrückung dieser Zeit in der zweiten Mannschaft weiterspielen.

5. Welcher Spieler war dein schwierigster oder vielleicht auch interessantester Fall als Trainer und warum?
Das kann man so nicht sagen, es war höchstens mal der Fall, dass ein Spieler durch eine weiter entfernt wohnende Freundin das Training etwas vernachlässigte. An dieser Stelle muss ich noch einmal betonen, dass die Kameradschaft und das Miteinander wirklich außergewöhnlich waren. Es war früher selbstverständlich, dass bei der Hochzeit eines Mitspielers oder beispielsweise beim Hallenbau mit angepackt wurde. Auch im Jugendbereich haben wir immer sehr viel unternommen, was den Jungs sichtlich Spaß bereitet hat und so an den Fußball und zwangsläufig an den Verein gebunden hat.

6. Bestand zu deiner Zeit das Problem, dass sich Spieler nicht ordungsgemäß auf ein Spiel vorbereiteten und am Abend vor dem Spiel ganz andere Dinge im Kopf hatten?
Sicherlich war das mal der Fall, aber das war wirklich die Ausnahme. Die Eigendisziplin war wie gesagt enorm, sodass ich mich mit entsinnen kann, dass unter meiner Regie jemals jemand nicht abgemeldet zum Training, geschweige denn zum Spiel erschienen ist.

7. Wie oft wurde in der Woche trainiert und wie sah das Training aus?
Wir haben zweimal in der Woche trainiert, was etwas völlig neues für die Spieler war. Der Aufsteig von der Kreisklasse in die Kreisliga und der darauffolgende Aufstieg in die Bezirksklasse machten diesen neuen Weg allerdings unumgänglich.Die Trainingseinheiten wurden meistens länger als vorher angesagt und sahen so aus, dass man in der Vorbereitung selbstverständlich längere Läufe bewältigt hat, wobei das Training mit dem Ball niemals zu kurz kam. Um mein Training weiter zu verbessern, bin ich auch schon mal nach Lohne gefahren und habe mir einige interessante Sachen abgeschaut.

8. Was waren die Unterschiede zu heutigen Fußballgeneration?
Die größten Unterschiede sind meines Erachtens, dass die Spieler heutzutage um einiges Athletischer sind als damals und dass das Spiel an sich um einiges mehr von Taktik geprägt ist.

9. Wenn du den heutigen mit dem Fußball zu deiner Zeit vergleichst – gibt es da etwas, was du vermisst?
Am meisten vermisse ich das Miteinader von Spielern und Trainer nach dem Training bzw. Spiel. Die damalige Kameradschaft ist mit der heutigen einfach nicht mehr zu vergleichen. Man trifft sich auch heute noch nach dem Spiel im vereinseigenen Clubraum, aber ist es nicht so, dass nach einer viertel Stunde schon die Hälfte der Mannschaft verschwunden ist!? Mein guter Freund „Flocky“ Geise hat mich noch vor kurzem gefragt, ob die Jungs überhaupt noch eine Kiste Bier nach dem Spiel schaffen würden!?

10. Welches Spiel ist dir als Trainer in ganz besonderer Erinnerung geblieben?
Das Aufstiegsspiel gegen Langenberg in Damme ist mir in ganz besonderer Erinnerung geblieben. In diesem Spiel lagen wir mit 2:0 zurück und konnten am Ende das Spiel doch noch mit 2:3 zu unseren Gunsten entscheiden. Damit war der Aufstieg in die Bezirksklasse geschafft.
 

Fussball

Kommentare sind geschlossen